Mein Weg beim DPV – Ein Beitrag aus der Treverer-Stammeszeitung „Donnerbalken“ (PSD)

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„Was bedeutet für dich der DPV?“ Ich bräuchte wohl ungefähr 1.000 Zeichen und einen Haufen übertrieben verliebter Worte um diese Frage zu beantworten. Weil es viele allerdings langweilen würde, formuliere ich hier lieber einmal meinen Weg beim DPV als Gedankenprotokoll. Ich hoffe, dass ich niemanden oder etwas irgendwo vergessen habe.

Es begann alles bei einem meiner ersten Stammesräte 2017: Ich war gerade erst frisch vom Basislehrgang gekommen und hatte die Meute Lynx übernommen. Wooki fragte bei uns im Stammesrat, ob irgendjemand Lust hätte, mit auf die Mitgliederversammlung des DPV zu kommen.
Er war damals noch DPV-Delegierter der PSD und somit dazu bestimmt, die Pfadfinderschaft Süddeutschland beim Deutschen Pfadfinderverband zu vertreten. Der damals (und immer) noch für-allen-Scheiß-zu-begeisternde Kai hatte natürlich sofort Bock. Damals hatte ich überhaupt keine Ahnung vom DPV. Ich war beim Verbandslager „Allerhand“ gewesen und mehr Wissen war da auch nicht vorhanden.
Irgendwie schaffte ich es, die Erlaubnis meiner Eltern zu bekommen, ein Wochendende (damals noch mit 15 Jahren) alleine mit Wooki nach Hamburg zu fahren. Der Austragungsort und die Planung der Mitgliederdelegiertenversammlung wandert immer von Bund zu Bund – da alleine vier Bünde des DPV bei Hamburg sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dort immer wieder hinzufahren, sehr hoch.

Also sammelte mich Wooki zuhause in Dieblich ein und wir fuhren mit seinem gasbetriebenen Caddy nach Hamburg. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Fahrt, wo mir Wooki möglichst viel zum DPV erklärte und die Suche nach einer Gas-Tankstelle in Autobahnnähe meine Hauptaufgabe war.
Letztendlich kamen wir gegen 0 Uhr in Hamburg an. Durch irgendwelches Glück fanden wir direkt gegenüber vom Pfadiheim einen Parkplatz. In Hamburg bedeutet Pfadiheim hierbei übrigens eine Wohnung, ganz in der Näher der Reeperbahn.
Juli – der damals noch auf Walz war – traf schon vor uns ein und klaute den letzten freien Platz auf einer Couch. Also schlief ich im Gruppenraum mit vielen fremden Menschen und bei lautem Schnarchen auf dem Boden. Gut, dass ich OroPacks dabei hatte!
Fremde Menschen bedeutet bei einer MV des DPV übrigens: Viele „Schreibtisch-Pfadfinder:innen“ Ü30, die alle ihre aktive Zeit bereits hinter sich gelassen haben und ihren Bund trotzdem weiterhin vertreten. Alles sehr nette Leute, die leider nur teilweise etwas fern von jeglicher Pfadi-Realität stehen.
Den ganzen Samstag und Sonntagvormittag dauert dann immer solch eine MDV.

Von meiner ersten in Hamburg sind mir insbesondere drei Dinge in Erinnerung geblieben:

1. Juli, Wooki und ich saßen dauerhaft auf einer Couch, während alle anderen alle auf Holzstühlen an Tischen saßen.
2. Ich war begeistert von der Idee einer Sippenaktion (später „Don Oro – Goldader“).
3. Ich bekam eine Gettho-Faust von Wooki dafür, dass ich mich traute, vor so vielen Ur-Pfadis das Wort zu ergreifen und eine Meuten-Aktion (parallel zur Sippenaktion) zu fordern. Schließlich sind für die PSD die kleinen Kids ja genauso wichtig – für viele andere Bünde leider nicht, da diese teilweise überhaupt keine Wölflingsstufe besitzen. Amüsant dabei ist, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt keine Ahnung von Tagesordnungen bei einer MV hatte und meinen Beitrag nach der Abstimmung und dem zugehörigen TOP leistete. Ich wurde also übergangen und der nächste TOP kam dran. Jede:r andere hielt mich spätestens jetzt für unerfahren, aber die Gettho-Faust entlohnte mich vollkommen! Ansonsten tat ich auch dem Durchschnittsalter der MDV ganz gut – grundlegend sollte dieser ja eine Jugendbewegung repräsentieren.

Mit dieser Versammlung begann also meine Reise beim DPV. Mittlerweile habe ich (zusammen mit jeweils einer anderen wechselnden Person aus der PSD) das Amt von Wooki übernommen und war 2021 bei meiner fünften MV des DPV. Doch damit ihr nicht denkt, dass die MDV (und deren hervorragendes Essen) alles ist was, mensch beim DPV macht, berichte ich nun weiter:

Wenig später fuhr ich zusammen mit Stäuer und Maja auf das erste Vorbereitungstreffen der Sippenaktion 2019 in Köln. Hier hatte ich das erste Mal intensiven Kontakt zu anderen Bünden und Gleichaltrigen. Anstatt auf den gemeinsamen Spaziergang am Samstagnachmittag zu gehen, zwang ich mich allerdings zum Lernen von lateinischen Vokabeln. Das waren noch Zeiten!
Der Lagername und das -thema stellten sich tatsächlich schon beim ersten VBT heraus – keine Selbstverständlichkeit! Ebenso sah mensch viele Gesichter aus Köln tatsächlich noch bei der Sippenaktion!
Mit der Zeit wuchs der Vorbereitungskreis immer weiter, ich war als einer der Wenigen bei jedem Treffen dabei (#Streber) und plante fleißig im Programmteam mit. Zusammen mit Lukas, Jakob und Felix plante ich den Jahrmarkt sowie den Banküberfall, welche nach einigen Teilnehmenden die besten Programmpunkte des Lagers waren. Drei sehr sympathische Leuts aus dem Deutschen Pfadfinderbund Mosaik, die alle 5 Jahre älter waren als ich (also ich damals 16 und sie circa 22). Sie führten mich als übermotiviertes Nesthäkchen in die DPV-Arbeit ein und ich bin ihnen dafür bis heute sehr dankbar! Das sympathische Chaos, welches in fast jedem Programmteam vorherrscht, war mir dann aber auch nach zwei Jahren und einem anstrengenden Lager erstmal genug.
Von der Sippenaktion bleibt mir ganz besonders in Erinnerung, dass ich mich Samstagabends in meinen Schlafplatz legte und erst dort merkte, dass ich den ganzen Tag seit dem Aufstehen weder gesessen noch gelegen hatte – durchgehend war ich über den Platz gelaufen, habe Programm gestaltet und das Unterlager mit Stäuer geleitet.

Die Anerkennung von Karo am nächsten Tag ließ mein Herz höher schlagen. Motivation durch, Lernen von und Austausch mit erfahrenen Großlager-Planer:innen empfehle ich sehr!

Direkt im Anschluss zur Sippenaktion des DPV startete der Vorbereitungskreis für’s „stadt&spiel“. Durch den Austausch auf dem „schall&rauch“ entstand das Interesse einer gemeinsamen Sippenaktion von BdP und DPV.

Während der Vorbereitung brach Corona über uns herein und wir mussten die Sippenaktion um ein Jahr auf 2021 verschieben – eigentlich wäre sie für den Herbst 2020 geplant gewesen. Zusammen mit Sarah (PSD), Whitney (BdP) und Leonie (BdP) kümmerte ich mich hier letztendlich um die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Dabei war ich im Social-Media-Game bei weitem nicht so begabt wie die anderen drei, aber mein organisatorisches Geschick verpasste dem ganzen immerhin Struktur. Letztendlich schafften wir es auch das „stadt&spiel“ nach Koblenz zu holen.
Das letzte VBT der Aktion fand auch tatsächlich hier in der Wohnung einer BdPlerin statt – die kürzeste Anreise, die ich wohl je zu einer DPV-Aktion erleben werde.

Leider war die Aktion kein so umfangreicher Erfolg wie gewünscht. Von den 1.200 angemeldeten Personen kam lediglich die Hälfte letztendlich zur Aktion.
Obwohl sich alle Stämme selbst die zu überwindende Distanz zum Spielort aussuchen durften weigerten sich einige letztendlich längere Strecken zu fahren oder diese ihren Sipplingen zuzumuten. Wir hatten im Kerpestal einen Partnerstamm mit ausschließlich Rovern und der Stamm Greif (PSD) wollte dann auch lieber nicht so weit fahren. Er ließ sich nochmals ins nähere Saarbrücken umbuchen – eine von vielen Extrawürsten die hier gebraten wurde, um doch noch möglichst viele Leute zur Teilnahme zu bewegen.
Im Zuge dieses rapiden Teilnehmendenverfalls lernte ich drei Dinge:
1. Viele Ehrenamtliche (auch ich!) nehmen sich mehr Dinge vor, als sie tatsächlich durchführen können und wollen.
2. Bundesführungen wissen selten (je nach Größe des Bundes) über die Situation in ihren Stämmen Bescheid.
3. Digitale und unpersönliche Anmeldungen zu Aktionen erscheinen vielen Teilnehmenden als unverbindlich. Das Ignorieren und Verdrängen von Erinnerungs-Mails oder Social-Media-Beiträgen ist extrem einfach.

Parallel zum „stadt&spiel“ startete die Planung für’s Verbandslager 2024 – natürlich schloss ich mich auch diesem Vorbereitungskreis an.
Grundlegend kann mensch sagen, dass meist die selben Leuts über die verschiedenen Vorbereitungskreise des DPV verteilt sind. Gerade deshalb freuen wir uns immer wieder über neue Gesichter! #Werbung]

Beim Verbandslager sitze ich mittlerweile zusammen mit einigen Menschen im Küchenteam. Weil ich irgendwie das Talent dazu habe, alles strukturiert zu organisieren wurde ich quasi direkt zur Teamleitung des Küchenteams.
Ist ja auch nur eine kleine Herausforderung für mich, alles von Kühlmöglichkeiten bis Essen für bis zu 4.000 Leute zu koordinieren. Meine nicht vorhandene Küchen-Erfahrung hilft mir dabei sicherlich. (Achtung: Ironie!)

Eigentlich möchte ich nur mal bei Großlagern in jedes Planungsfeld hinein geschnuppert haben! In der Regel gibt es da nämlich immer die selben: Lagerleitung, Finanzen & Anmeldung, Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit, Küche, Logistik und Programm.
Wie sich letztendlich die Küchensituation auf dem Verbandslager herausstellt, wird sich dann ja in zwei Jahren zeigen. Wir hoffen Mal das Beste. Ansonsten gibt es halt durchgehend Rohkost – da hat auch hoffentlich bei 4.000 Leuten keiner Allergien gegen.

Zu guter Letzt sitze ich beim DPV goLd noch als Praktikant von Manu im Küchen-Team, um hier hoffentlich meine fehlenden Kompetenzen etwas auszubessern.
Und irgendwie bin ich noch in die Orga vom Geländespiel gerutscht – zurückhalten kann ich mich beim DPV leider selten.

Als Fazit kann ich nun für mich fassen:
1. Die Geschäftsstelle des DPV schreibt mir gefühlt häufiger bezüglich der PSD als der Bundesführung, obwohl es nicht mein Job ist.
2. Ich weigere mich so lange wie möglich, zum Schreibtisch-Pfadfinder zu verfallen und hoffe, es dann mit mehr Kontakt zu Stämmen und zum Bund zu machen.
3. Der DPV ist cool! Kommt alle in die Vorbereitungskreise des DPV! BlaBlaBla…

Gut Pfad
Kai
Stamm Treverer – Pfadfinderschaft Süddeutschland

Ein veganer Lecker-Schmecker von der MV zum Nachbacken

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Das Motto des DPV3000 auf der diesjährigen Mitgliederversammlung in der Eifel war eine rundum vegane Ernährung. In Zusammenarbeit mit dem Bund Europäischer Pfadfinder wurde dieses ideenreich umgesetzt. Für Viele waren die veganen Gerichte nicht nur eine Neuheit, sondern kamen auch sehr gut an. Deshalb hier ein Rezept von einem der Highlights am Samstagabend zum selber Nachbacken.

Veganer Apple Crumble

Zutaten

  • 600 g Äpfel
  • 3 EL Zitronensaft
  • 2 TL Zimt
  • 120 g vegane Margarine
  • 80 g brauner Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 180 g Mehl
  • 1 Packung Vanillezucker
  • 50 g Haferflocken

Für die Zubereitung des veganen Apple Crumbles solltest du etwa 20 Minuten Vorbereitungszeit einplanen. Anschließend musst du ihn eine halbe Stunde im Ofen backen lassen.

1. Heize den Backofen auf 180 Grad vor. Tipp: Wenn du Energiesparen möchtest, kannst du auf das Vorheizen auch verzichten. Lass den Kuchen dann gegebenenfalls einfach einige Minuten länger im Ofen.
2. Wasche, schäle und entkerne die Äpfel.
3. Schneide die geschälten Äpfel in Spalten.
4. Fette die Auflaufform mit etwas Margarine ein.
5. Verteile die Äpfel gleichmäßig in der Auflaufform.
6. Gib den Zitronensaft und den Zimt über die Äpfel.
7. Gib die Margarine zusammen mit dem Zucker, Salz, Mehl, Vanillezucker und
den Haferflocken in eine Rührschüssel.
8. Verarbeite die Zutaten mit einem Handrührgerät zu Streuseln.
9. Gib die Streusel über die Apfelspalten.
10. Backe den Apple Crumble etwa 30 Minuten bei 180 Grad im Backofen, bis er
goldbraun geworden ist. Lasse ihn anschließend kurz abkühlen, bis du ihn servierst.

Vegane Vanillesauce

Die Zubereitung dauert ca.10 Minuten.

Zutaten für 200 ml

  • 1/2 Vanilleschote
  • 200 ml Sojamilch
  • 2 TL Speisestärke
  • 1 Msp Kurkumapulver

Anleitung

1. Vanilleschote auskratzen und zusammen mit der Hülse und der Pflanzenmilch aufkochen.
2. Speisestärke mit 3 TL kaltem Wasser anrühren und in die kochende Pflanzenmilch einrühren. Eine Minute auf mittlerer Hitze weiterköcheln lassen, anschließend den Herd ausschalten. Kurkuma untterühren.
3. Nach belieben mit Rohrohrzucker oder Ahornsirup süßen.

Guten Appetit 🙂

Fachtagung Pfadfinden: Pfadfinder*innen und Demokratie

Am ersten November Wochenende 2021 traf sich eine Gruppe überbündischer und internationaler Pfadfinder*innen zur sechsten Fachtagung Pfadfinden in Mainz. Die besonderen Umstände haben es möglich gemacht auch von der Couch dabei zu sein. Sogar eine Referentin wurde, passenderweise zum Thema Inklusion, von zu Hause dazu geschaltet. Eine hybride Umsetzung ist möglich und zeigt die Fortschritte, die die Fachtagung gemacht hat, um auch jüngeres Publikum zur Teilnahme zu motivieren.

Das Thema „Die Pfadfinder:innenbewegung und Demokratie“ ist sicherlich aktuell. Seit einigen Jahren wachsen national und international Rechtspopulismus/-radikalismus, Fremdenfeindlichkeit/Rassismus und antidemokratische Tendenzen. Auch bei Jugendlichen sind diese Entwicklungen zu beobachten. Wie gehen wir in unserer Pfadfinderpraxis mit diesem Thema um? Was hat unsere Arbeit (noch) mit Demokratie und Befähigung zum demokratischen Denken zu tun? Und was ist eigentlich überhaupt Demokratie?

Diese Fragen beschäftigten die Teilnehmenden der Fachtagung begleitet durch Vorträge von Referent*innen aus der Pfadfinderbewegung, Pädagog*innen, Historiker*innen und Geographen. In spannenden Workshops ging es am Samstagnachmittag dann in kleineren Gruppen entweder um die Herausforderung von Demokratie in der Nachkriegszeit, Frieden, Inklusion oder eine Auseinandersetzung mit der eigenen rassistischen Geschichte.

Doch was hat das jetzt eigentlich mit der Praxis zu tun? Wenn man sich unsere vielfältigen Strukturen anschaut, sieht man doch einige Grundsätze der Demokratie vertreten, auch wenn sie in den verschiedenen Verbänden und Bünden und insbesondere auf Stammesebenen sehr unterschiedlich gelebt werden. Demokratie ist mehr als nur eine regelmäßige Abstimmung und Mehrheitsentscheide. Demokratie steht für den Schutz von Minderheiten, sie braucht Bildung und Transparenz und vor allem braucht Demokratie aktive Beteiligung. Und wir haben die Möglichkeiten schon in kleinem Rahmen unserer alltäglichen Pfadfinderarbeit Mitbestimmung, Meinungsfreiheit und gemeinschaftliche Konsensfindungen zu fördern.

Die Fachtagung findet alle zwei Jahre statt und beleuchtet pfadfinderische Aspekte aus wissenschaftlicher Perspektive. Vielleicht sieht man sich 2023 bei der nächsten Fachtagung?

Inja Ehlert

DPV – alle dabei

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DPV – alle dabei?
„Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen.“ – So lautet das 5. von 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (auch SDG: engl. Sustainable Development Goals) die sich die Vereinten Nationen bis 2030 gesetzt haben.
Geschlechtergleichheit bedeutet: Frauen und Männer werden gleichbehandelt. Sie sind gleichberechtigt und haben in allen Lebensbereichen die gleichen Chancen. 2015 wurden die SDGs verabschiedet: Was hat sich seitdem getan in der Welt? Haben wir Geschlechtergleichheit bereits erreicht?
Auf der ganzen Welt sind Frauen und Männer nicht gleichberechtigt. Es gibt sogar Länder, in denen gibt es nicht einmal Gesetze, die Frauen vor Diskriminierung und Gewalt schützen. Das ist in Deutschland anders. Hier sind Frauen und Männer vor dem Gesetz gleichgestellt. Und trotzdem erfahren Mädchen und Frauen auch in Deutschland jeden Tag Diskriminierung. Frauen verdienten 2019 in ihrem Beruf durchschnittlich 19% weniger in einer Stunde als Männer (1). Als Frau hast du deutlich schlechtere Karriere-Chancen als deine männlichen Kollegen (2). Doch es hört nicht auf dem Arbeitsmarkt auf. Frauen sind häufiger von Gewalt betroffen als Männer. Jede dritte Frau in Deutschland erlebt mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt. 25% der Frauen sind von häuslicher Gewalt betroffen (3). Das sind keine Zahlen, die für Geschlechtergleichheit sprechen.
Wir leben in einer Gesellschaft, die systematisch eine Hälfte der Bevölkerung ignoriert. Wusstet ihr, dass Frauen deutlich häufiger bei Autounfällen sterben als Männer? Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen bei einem Autounfall schwer verletzt werden, ist 47% höher als bei Männern. Woran das liegt? Autos werden für Durchschnittsmenschen mit männlichen Maßen gebaut. Bei Crash-Tests werden männliche Dummys verwendet. Wenn weibliche Dummys zum Einsatz kommen, dann lediglich für Versuche auf dem Beifahrer*innen-Sitz und das auch nur in 20% der Fälle (4). Ähnlich ist es bei Medikamenten: Medikamente werden fast immer an männlichen Versuchspersonen getestet. Der weibliche Körper sei „zu kompliziert“, zu „hormongeladen“ für Studien. Das führt dazu, dass zum Beispiel Medikamente falsch dosiert werden oder Herzinfarkte nicht erkannt werden.4 Und das kann in schlimmen Fällen tödlich enden.
Obwohl Frauen die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen, sind sie in unserer Gesellschaft häufig unsichtbar. Dazu gehört auch unsere Sprache. Meistens wird ausschließlich die männliche Form verwendet, das sogenannte generische Maskulinum. Frauen sind ‚mitgemeint‘. Aber auch wenn Frauen vielleicht mitgemeint sind: Sie werden dadurch nicht automatisch mitgedacht. Es gibt eine psychologische Studie, in der genau dieser Effekt untersucht wurde (5). In der Studie wurden 46 Frauen und 50 Männer untersucht. Ihnen wurde gesagt, dass es um eine Untersuchung zu Unterschieden zwischen Studierenden und Nicht-Studierenden geht. Sie sollten Fragen zu ihren persönlichen Vorlieben und Meinungen beantworten. In sechs Fragen ging es dabei um ihre Lieblings-Romanheld*innen, ihre Held*innen in der Wirklichkeit, ihre Lieblingsmaler*innen, -musiker*innen und -sportler*innen. Um zu untersuchen, ob die Teilnehmenden unterschiedlich antworten, je nachdem welche Geschlechtsform verwendet wird, wurden die Teilnehmenden in drei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe erhielt einen Fragebogen, indem alle Fragen im generischen Maskulinum formuliert waren (z.B. „Was ist ihr liebster Romanheld?“). Eine Gruppe erhielt einen Fragebogen, indem alle Fragen geschlechtsneutral formuliert waren (z.B. „Was ist ihre liebste heldenhafte Romanfigur?“). Und eine Gruppe erhielt einen Fragebogen, indem beide Geschlechter genannt wurden (z.B. „Was ist Ihr liebster Romanheld, Ihre liebste Romanheldin?“). In den Gruppen, die entweder geschlechtsneutrale Formulierungen erhielten oder beide Geschlechter genannt wurden, nannten die Teilnehmenden deutlich häufiger weibliche Heldinnen als in der Gruppe des generischen Maskulinums. Das bedeutet: Menschen, die in einem Text nur die männliche Form lesen, denken nicht automatisch daran, dass auch Frauen gemeint sind. Erst wenn durch die Sprache deutlich gemacht wird, dass alle Geschlechter gemeint sind, denken wir auch an alle Geschlechter. Und solange wir weiterhin nur die männliche Form in unserer Sprache verwenden, bleiben Frauen unsichtbar und eben nicht gleichbehandelt.
Um Geschlechtergleichheit zu erreichen, kommen wir also nicht an unserer Sprache vorbei. Denn Sprache macht Gesellschaft. Es ist an uns zu überlegen, in welcher Gesellschaft wir leben möchten: in einer Gesellschaft, in der alle sichtbar sind, oder in einer Gesellschaft, die Menschen mit meint? Genannt zu werden ist in meinen Augen nicht nur eine Formalität, sondern hat auch etwas mit Respekt und Anerkennung zu tun. Wenn Frauen und Mädchen nicht einmal einen Platz in unserer Sprache haben, wie können sie dann einen in der Gesellschaft haben? Warum haben Frauen und Mädchen nicht den gleichen Respekt verdient wie Männer und Jungen? Den Respekt genannt zu werden und sichtbar zu sein.
Allein geschlechtergerechte Sprache löst aber bei weitem nicht alle Probleme. Frauen werden nicht weniger misshandelt, weil wir in Zukunft von Ärzt*innen oder Tischler*innen sprechen. Frauen werden nicht häufiger befördert, weil die Stelle nun Geschäftsführer*in genannt wird. Aber Frauen werden dadurch stärker gesehen. Und das ist ein erster wichtiger Schritt zu Geschlechtergleichheit.
Die Frage des Genderns führt mich auch immer wieder zu uns Pfadfinder*innen zurück. Welche Gesellschaft möchten wir mitgestalten? Für welchen Weg entscheiden wir uns? Wir wollen unsere Mitglieder zu selbstbestimmten Bürger*innen erziehen. In unserer Arbeit wollen wir alle Geschlechter berücksichtigen. Warum machen wir das nicht in unserer Sprache? Ist es nicht an der Zeit darüber ins Gespräch zu kommen und umzudenken? Wie können wir sagen, dass wir uns für alle Kinder und Jugendlichen einsetzen wollen, wenn auch wir die Hälfte unserer Mitglieder in unserer Sprache ignorieren? Es ist nicht leicht, altbewährtes zu verändern. Der Mensch ist nicht umsonst ein Gewohnheitstier. Aber ich glaube, es ist schon lange überfällig unsere Gewohnheiten einmal ordentlich aufzurütteln und uns zu überlegen, wofür wir als Pfadfinder*innen stehen möchten.

von Sarah Wüllner
mit Grüßen vom AK Wendehammer

1 Pressemitteilung Nr. 484 des Statistischen Bundesamts vom 08.12.2020: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/12/PD20_484_621.html.
2 Statistisches Bundesamt. https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-1/frauen-fuehrungspositionen.html. entnommen am 19.12.2020.
3 Bundeskriminalamt (2020). Kriminalstatistische Auswertung – Berichtsjahr 2019.
4 Caroline Criado-Perez (2020). Unsichtbare Frauen – Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert. btb – Verlag.
5 Stahlberg, D., Sczesny, S., and Braun, F. (2001). Name Your Favourite Musician:Effects of Masculine Generics and of their Alternatives in German. Journal of Language and Social Psychology, 20, 464 – 469.

Nachwahlen auf der Mitgliederversammlung

Am letzten Septemberwochenende fand die Mitgliederversammlung des Verbandes statt. Wir blicken auf ein schönes und erfolgreiches Wochenende – ausgerichtet vom Bund Europäischer Pfadfinder – in Gemünd zurück, bei dem wir uns besonders darüber gefreut haben, dass wir uns wieder in Präsenz treffen konnten. Wie schön, sich endlich wieder in einer Singerunde am Feuer begegnen zu können oder gemeinsam durch den Nationalpark Eifel zu wandern!

Aber natürlich wurde nicht nur das Wiedersehen gefeiert, sondern auch gearbeitet: Wir haben uns nicht nur mit den zurückliegenden Aktionen (stadt&spiel) beschäftigt und den anstehenden Veranstaltungen (DPVgoLd, Stammesführungssegeln, StaFüFortbildung und das Verbandslager 2023), sondern auch neue Themen für die weitere Verbandsentwicklung beleuchtet, wie beispielsweise Geschlechtergerechtigkleit im Verband oder unsere digitale Infrastrukur.

Vor allem aber wurde auch ein Teil des Vorstandes neu gewählt. Matze ist aus persönlichen Gründen als Vorsitzender zurückgetreten, so dass wir Patte zu seinem Nachfolger wählen konnten. Inja hat Pattes Amt als neue stellvertretende Vorsitzende übernommen. Wir gratulieren den beiden Neugewählten herzlich und wünschen viel Freude und Erfolg im neuen Amt. Matze danken wir für sein vielfaches Engagement in den vergangenen Jahren, wünschen ihm und seiner jungen Familie alles Gute und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen!

Übrigens: Auch diese MV stand wieder unter einem vom Arbeitskreis DPV ausgewählten Schwerpunkt nachhaltigen Pfadfindens: Bei dieser MV haben wir uns ausschließlich vergan ernährt – und es hat fantastisch geschmeckt!

Nun freuen wir uns auf ein baldiges Wiedersehen im Rahmen des Bundesführungstreffens auf der Burg Ludwigstein im Februar – gemeinsam mit unseren Freundinnen und Freunden vom BdP.

Radio goLd ist wieder am Start!

In etwas mehr als einem Jahr findet endlich unsere Jubiläumssause DPV goLd statt.
Da wir aber bereits jetzt schon unglaublich in Feierlaune sind, wollen wir auch die Zeit bis dahin mit einem ordentlichen Countdown zelebrieren.

Um euch alle auch schonmal in goLd-Feierlaune einzustimmen, bekommt ihr nächsten Samstag, dem 11.09.2021 erst einmal etwas von uns auf die Ohren.

Der Radiosender Rundfunk Meißner ist so lieb und strahlt ein Jahr vor der Aktion noch einmal unsere Jubiläumssendung „radio goLd“ aus. Nicht nur, wer die ursprüngliche Sendung verpasst hat, kommt hier voll auf seine Kosten!

Das ganze gibt’s von 11.05 bis 15.05 Uhr exklusiv auf radiofm.de.

DPV GOLD 2022 – die Planung geht weiter!

Hallo Du,
wir suchen dich und deine Fähigkeiten! Wenn du dich nun fragst, wofür eigentlich? Dann lies erstmal weiter.
Um DPV goLd 2022 so einzigartig und aufregend wie möglich zu gestalten, suchen wir Menschen MIT und OHNE besondere TALENTE.
Du hast eine krasse Fähigkeit, kannst Zaubern, Feuer spucken oder auf Stelzen laufen?
Nein?! Dann kennst du vielleicht jemanden, der etwas Tolles kann oder passende Kontakte hat, die uns bei der DPV Gold-Feierei von Nutzen sein könnten?
Um das mal etwas zu spezifizieren: Wir denken da an alles von Heißluftballon fliegen, über Tattoos stechen, eine Hüpfburg bauen bis hin zu glitzer-funkelnden Acts und Bands. Deiner Fantasie sind erstmal keine Grenzen gesetzt!
Wenn dir auf Anhieb nichts so Extravagantes einfällt, du jetzt aber denkst: “Was?! DPV Gold wird so vielfältig und spannend?! Da will ich mitmachen”, dann meld dich auch gerne bei uns. Ganz gleich ob du gerne bastelst, organisierst oder werkelst…. WIR SUCHEN DICH als Unterstützung des Teams, damit wir dich für einzelne Aufgaben konsultieren können. Wenn du nicht viel Zeit hast, aber einen Keller voller leerer Gläser und Stoffreste, dann nehmen wir dir gerne alles ab.
Auch im Programmteam werden noch motivierte Menschen gesucht: Du hast schonmal oder wolltest schon immer einmal eine Sportveranstaltung moderieren, die verrücktesten Spiele der Welt zusammentragen, den DPV erkunden und anderen näherbringen oder die größten Attraktionen in und um die Burg Ludwigstein entdecken, dann bist du bei uns auch goLd richtig.
Und wenn du bisher nichts passendes für dich gefunden hast, dann gibt es noch etwas für dich: Kaffee ist dein Lebenselixier, du kennst Getränkekreationen, auf die die Welt schon lange wartet oder sitzt einfach gern in einem Café – auch dann bist du bei uns richtig!
Also zusammengefasst: Wenn du Lust hast, dich zeitweise, dauerhaft oder nur mal spontan einzubringen, dann melde dich gerne bei uns und wir erstellen eine Helfer*innen-Kartei, in der wir dich mit aufnehmen.
Falls du noch Fragen oder Anmerkungen hast oder du gleich deine Unterstützung anbieten willst, dann melde dich gerne bei uns.
Unter: info(at)dpvgold.de
Wir freuen uns auf DPV Gold mit Dir!
Glitzernde Grüße von deinem Planungsteam

Der DPV beim Jugendhilfetag

Vom 18. bis zum 20. Mai 2021 findet der Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag statt – aufgrund der Pandemie allerdings nicht wie ursprünglich geplant in Essen, sondern digital! Auch der Deutsche Pfadfinderverband wird wie schon bei den vergangenen Jugendhilfetagen als Aussteller vertreten sein. Wir freuen uns über viele Besucher an unserem virtuellen Stand!

Daneben gibt es auch ein umfangreiches Fachprogramm. Die Teilnahme am DJHT ist kostenlos und für jeden möglich. Nähere Informationen, die Besucherregistrierung und Programmübersichten finden sich unter www.jugendhilfetag.de.

Und das erwartet euch:

Digitaler Fachkongress
  • ca. 270 Fachforen, Vorträge, Projektpräsentationen, Workshops zu aktuellen Schwerpunktthemen der Kinder- und Jugendhilfe 
  • Fortbildungen und Wissenstransfer durch vielfältige Fachveranstaltungen

Digitale Fachmesse

  • Präsentation von ca. 200 nicht-gewerbliche und gewerblichen Aussteller*innen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe und deren Schnittstellenbereiche
  • Kennenlernen, Intensiver Austausch und Networking per Chat mit den Aussteller*innen und im virtuellen Café
  • Messeforen  

Zentrale Veranstaltungen per Live-Stream verfolgen

  • Unterhaltung und spannende Diskussionen zum Thema soziale Gerechtigkeit bei der Eröffnungsveranstaltung, Eröffnung Fachmesse, Kultur-Veranstaltung und Abschlussveranstaltung mit politischen Persönlichkeiten, jungen Menschen und Prominenten
  • Gespräche und Kultur beim Abend der Begegnung

Rahmen- und Begleitprogramm

  • durch das Match-Making-Tool neue Kontakte knüpfen
  • Austausch über den Chat
  • DJHT-Connect: niedrigschwelliger fachlicher oder persönlichen Austausch in kleineren Gruppen 
  • Lunch-Break-Sessions: Diskussion über die Forderungen des Kinder- und Jugendpolitischen Leipapiers
  • Entspannung beim Yoga und in der Bar 
  • Jobbörse  

Ein Tag in Siebenbürgen: Sonne, Kaffee, Rosi und ein altes Foto

Ein Beitrag von Joréy, Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern

Unsere letzte Sippenführer*innenfahrt ist nun schon über ein Jahr her. Die Fahrt fand in einer Zeit statt, in der es für uns Pfadfinder*innen selbstverständlich war, frei durch Europa zu reisen und gemeinsam unterwegs zu sein. Wir konnten vor Ort rumänische Pfadfinder*innen kennenlernen, mit ihnen zusammen wandern und etwas über die Geschichte ihres Landes erfahren. Wir haben viele spannende Menschen getroffen, zusammen mit rumänischen Pfadfindergruppen gespielt, gekocht und Lieder am Lagerfeuer gesungen. Für uns war das alles selbstverständlich.

Heute blicken wir auf diese besondere Fahrt nach Siebenbürgen zurück und denken: „Das war die Zeit, in der noch alles normal war.“ Denn seitdem die Welt durch das Coronavirus in Atem gehalten wird, ist auch für uns Pfadfinder*innen alles anders. Wir treffen uns nur noch online zum Heimabend und die letzte Fahrt mit der Sippe ist auch schon mehrere Monate her.

Wir waren letztes Jahr insgesamt zwei Wochen in Rumänien unterwegs. Wie viel man als Pfadfinder*in schon an einem einzigen Tag erleben kann, macht der folgende Logbuch-Eintrag deutlich. Wir hoffen, dass wir bald wieder zusammen solche Tage erleben können.

Donnerstag, 13.02.2020

Der Morgen bricht an. Eine Jurte steht auf einer leicht mit Schnee bedeckten Wiese. Im Inneren der Jurte entfacht Thelia bereits ein Feuer und Lodua singt mit leiser Stimme ein Lied. Geweckt durch die Klänge der Gitarre schälen sich weitere Pfadfinder und Pfadfinderinnen langsam aus ihren Schlafsäcken. Ihr Atem ist durch kleine Rauchwölkchen in der Luft sichtbar. „Knack-Knack-Knack“. Pjuno prüft den Aggregatzustand der Wasserflaschen – das Wasser ist fast gänzlich gefroren. Das Feuer prasselt nun munter und durch den Kaffee, der herumgereicht wird, kommt langsam auch munteres Leben in die Jurte.

Nach dem Müsli-Frühstück beschließen wir, noch ein Kapitel aus dem Buch „Jacob beschließt zu lieben“ von Catalin Dorian Florescu vorzulesen. Spannend ist, dass uns Rosi am Abend diesen Teil der siebenbürgischen Geschichte aus ihrer Perspektive erzählen wird. Ihr Vater wurde nach dem 2. Weltkrieg in die Sowjetunion deportiert – so wie zehntausende weitere Menschen aus Rumänien. Rosis Vater musste dort 5 Jahre lang Zwangsarbeit leisten. Danach hat er sich geschworen, seine Heimat Siebenbürgen nie mehr zu verlassen. Und dieses Versprechen hat er gehalten.

Nachdem wir die Jurte abgebaut hatten, wandern wir los. Die Sonne scheint uns warm in die Gesichter. Wir erreichen das nächste Dorf. Der Straßenrand am Ortseingang ist über und über mit Plastikmüll bedeckt. Das Dorf selbst besteht aus schönen Häusern im hier typischen Baustil. Wir setzen uns an den Straßenrand für eine kurze Pause. Aus dieser wurde dann doch eine längere.

Mehr und mehr Leute aus dem Dorf kommen, begrüßen uns und setzen sich dazu. Die Frauen in bunten Faltenröcken und geflochtenen Bändern in den Haaren, die Männer mit Hüten mit breiter Krempe.

Nachdem wir bereits einige Schokis verdrückt hatten, wird Pjuno von einem Mann ein Handy in die Hand gedrückt. Am anderen Ende der Leitung ist ein englisch sprechenden Mann, der fragt, was wir denn wollen. Pjuno antwortet: „We want nothing.“

Auf die Frage, ob wir nicht vielleicht einen Kaffee trinken wollen, lautet die Antwort natürlich anders. So macht uns der Mann mit dem Handy in seinem Laden auf der anderen Straßenseite ein paar Becher Kaffee, die wir sonnenbeschienen am Straßenrand trinken.

Nachdem wir die Kaffeebecher geleert hatten, wurde uns gesagt, dass der Kaffee gleich fertig für uns sei. Kurz zuvor fuhren eine Frau und ein Mann kurz mit dem Auto weg und kamen mit einer Packung Kaffee und Plastikbechern wieder. Es ist also weiterer Kaffee in Arbeit. Kurz darauf wird eine Schale mit Kaffee sowie ein Holzhocker und mehrere Becher nach draußen zu uns getragen. Nachdem wir auch diesen Kaffee ausgetrunken hatten, genießen wir die Sonne und weitere Süßigkeiten am Straßenrand.

Wir bedanken uns bei unseren Gastgeber*innen und wandern weiter nach Alzen, wo Rosi wohnt. Rosi ist eine ältere Dame, die schon viele Generationen von PBMV-Pfadfinder*innen besucht haben. Über mehrere Hügel, vorbei an Weiden und Tieren erreichen wir das Dorf Alzen. Die Hauptstraße ist von vielen bunten Häusern gesäumt, mit großen Toren und hohen Mauern.

Wir treffen Rosi wenig später vor der Dorfkirche, wo sie jedem und jeder von uns die Hand gibt und sagt: „Ich bin Rosi Müller, herzlich willkommen in Alzen.“

Sie schließt uns das Pfarrhaus auf, das im Winter für die Gottesdienste genutzt wird. Wir räumen den kleinen Altar, das Rednerpult und die Stühle beiseite und verabreden uns mit Rosi um halb sieben, da um sieben Uhr „die Nachbarschaft“ kommen und den Raum nebenan im Pfarrhaus für ein Treffen nutzen würde.

In der Zwischenzeit essen wir noch Brot, trinken Tee und wärmen uns etwas auf. Zur verabredeten Zeit kommt Rosi und erzählt uns über Alzen, die Kirche und Siebenbürgen. Rosi hat Alzen in ihrem Leben nur für wenige Jahre verlassen. Sie hat sowohl die Blütezeit ihres Dorfes als auch dessen Niedergang miterlebt. Viele Siebenbürgersachsen haben Alzen und der Region in den letzten Jahren den Rücken gekehrt. Viele von ihnen sind nach Deutschland ausgewandert und kommen nur noch im Sommer in ihre alte Heimat zurück. Die siebenbürgensächsische Kultur gerät immer weiter in Vergessenheit, sagt Rosi. Vor Ort sind nur noch die Alten, die sich an Früher erinnern und der alten Zeit nachtrauern. So eine Zeit des Niedergangs und des Verlusts will Rosi nicht noch einmal erleben, sagt sie.

Ich werfe einen Blick durch die kleinen Scheiben in der Tür und beobachte „die Nachbarschaft“, die sich im Raum nebenan trifft. Ich hole noch einmal die alten Fotos von der Siebenbürgen-Fahrt des PBMV aus dem Jahr 2004 aus meinem Rucksack. Denn einer der Männer kommt mir irgendwie bekannt vor, auch wenn ich ihn noch nie getroffen habe. Wir suchen nach dem passenden Bild und tatsächlich: Herr Schöpp, heute 91 Jahre alt, sitzt im Raum nebenan. Er ist Jäger, Imker, Maler und noch weiteres. In alten Logbucheinträgen von Siebenbürgen-Fahrten ist von ihm mehrmals die Rede, weil er schon viele Pfadfinder*innen vom PBMV getroffen hat. Wir haben ein Foto aus dem Jahr 2004 dabei, das ihn als Imker zeigt. Herr Schöpp ist der Erste, den wir durch eines der Fotos wiedergefunden haben. Wir machen ein Foto mit ihm und schenken ihm das nun 16 Jahre alte Foto, auf dem er zu sehen ist.

Rosi zeigt uns noch die Kirche und wir staunen über die Fresken im Altarraum, die erst vor 10 Jahren unter dem Putz gefunden und nun freigelegt wurden. Wir verabschieden uns von Rosi und essen ein spätes Abendbrot. Nach einem wunderbaren Tag mit vielen tollen Begegnungen und spannenden Geschichten, schlafen wir ausnahmsweise ohne Gute-Nacht-Geschichte ein.

Der etwas andere Geburtstag

am 21.06.2020 ist der DPV 50 Jahre alt geworden. Eine große Sause war im September geplant. Einladungen wurden bereits geschrieben und das Rezept für die Geburtstagstorte erprobt. Nun wissen wir alle, wie das letzte Jahr verlief – eine große Sause war nicht möglich. Stattdessen hat sich ein „Radio goLd“ Team gebildet und die einmalige Chance genutzt, in einem kleinen Radiostudio in Eschwege? Fünf Stunden „Radio goLd“ zu senden.

Das Programm war ein voller Erfolg und das Team kam den Bitten der Zuhörenden nach, das Radioprogramm weiterhin zur Verfügung zu stellen. Hier kannst du dir nun unser „Radio goLd“ anhören (aufgrund der Musikrechte, musste diese herausgeschnitten werden). Das komplette Programm, auch mit Musik findest du hier:

PS: Wusstest du schon, dass es jetzt auch einen Podcast gibt? Das Team „Radio goLd“ macht weiter. Schau mal hier und hör dir den neuen Liliencast an.