Achtung! Don Oro hat sich als Pfadfinder verkleidet

„Hast du schon gehört? Es wurde Gold gefunden, in New Hameln Creek! Don Oro hat alle Pfadfinder eingeladen, mit ihm und für ihn Gold zu schürfen – es winken Gold und Reichtum für alle“
Viel mehr wussten unsere 1000 Teilnehmenden nicht, als sie sich für das Himmelfahrtswochenende aus dem ganzen Bundesgebiet auf den Weg nach Hameln machten. Mit Spaten und Spitzhacke, Hut und Halstuch und einer großen Portion Mut und Vorfreude ausgestattet, ahnten die jungen Goldgräber und Goldgräberinnen noch nicht, dass sie es alsbald mehr mit korrupten Großgrundbesitzern und Banditen zu tun bekämen, als mit dem versprochenen Goldrausch, von dem jeder von ihnen hatte profitieren sollen. Aber der Reihe nach….

Wie alles begann…

Im September 2016 beschloss der DPV, dass es wieder eine Aktion für Sippen geben solle. So saßen vor über 2 Jahren die (noch recht überschaubare Zahl an) Planer*innen bei ihrem ersten Treffen beisammen und wählten in einer heiß umkämpften Abstimmung das Thema Goldgräber aus. Ob ein anderes Thema auch so gut bei den Teilnehmenden angekommen wäre? Vielleicht finden wir es bei einer nächsten Sippenaktion heraus, wenn die Teilnehmenden dann nicht nach Gold schürfen sondern gegen Götter kämpfen oder die Weiten der Ozeane vor den Piraten schützen müssen. Sobald das Thema feststand, wuchs der Planungskreis zusehends und um das zentrale Thema wurde eine ganze Spielgeschichte geschrieben in der nicht jeder war, wofür er sich ausgab. Don Oro als Besitzer der Goldmine und Vater eines großen Familienclans war schon immer dabei, auf welcher Seite er letztlich stehen sollte, war lange umstritten. Die größte Herausforderung war dabei, die einzelnen Geländespiele und die sich immer weiter und komplexer werdende Geschichte mit einem roten Faden zu verbinden.
5 Wochenend-Planungstreffen, 24 Telefonkonferenzstunden, unzählige E-Mails und lange Planungsdokumente und unendliche WhatsApp Nachrichten später war es dann so weit: Die Sippenaktion „Goldader – Don Oro lädt ein“ startete 6 Tage vor Himmelfahrt mit dem Aufbaulager und wir konnten langsam erahnen, was in den letzten Jahren alles auf den Weg gebracht worden war und nun kurz davor stand, Wirklichkeit zu werden. Die 170 Helfer*innen unternahmen einiges, um aus einer grünen Wiese am Rande von Hameln den Ort zu schaffen, auf den die Teilnehmer*innen sich als New Hameln Creek freuten: Auf dem 4 Hektar großen Platz wurden die 11 Unterlager abgesteckt, 50 Jurten aufgebaut, eine lange Waschstraße gebastelt, unzählige Löcher für Holzbauten in den sehr lehmigen Boden gedreht, der Saloon in Form einer Jurtenburg und die Bank von New Hameln Creek errichtet…

Im Planungszelt wurden letzte Details besprochen: Was bis jetzt noch nicht ganz klar war, wurde improvisiert oder einfach weggelassen. Die letzten Nächte vor dem Aufbaulager waren für uns als Lagerleitung noch sehr unruhig – die große Spannung, ob alles wie geplant oder notfalls auch spontan anders klappen würde und die Frage, wie es am Ende bei den Teilnehmern*innen ankommen würde trieb uns herum. Vor Ort bestimmte die alles überragende Vorfreude, dass es nun endlich losgehen würde und mit den motivierten Helfern*innen alles Form annahm.

Dann war es soweit. Oder vielmehr: wir waren soweit.

New Hameln Creek blieb aber zunächst leer. Die Teilnehmenden hatten mit Stau und Bahnchaos die erste Hürde auf ihrem Weg zum versprochenen Reichtum zu überwinden, sodass erst um 3 Uhr nachts die Letzten den Platz erreichten. Am nächsten Tag konnten wir aber beruhigt feststellen, dass alle die kommen wollten auch angekommen waren.

In der Eröffnungsrunde am Donnerstagmorgen wurde uns dann klar, wie viele Menschen wir geworden sind und noch einmal stieg die Aufregung, ob wir wirklich alle nach vier Tagen glücklich wieder nach Hause schicken würden. Im Laufe des Lagers lief natürlich nicht alles einhundertprozentig nach Plan, aber dies bekam außerhalb des Planungsteam kaum jemand mit. So können wir sagen, dass die vielen großen und kleinen Highlights, die ausgelassene Stimmung und der Sieg über Don Oro die Sippenaktion für alle Beteiligten in positiver Erinnerung zurück lassen.

Foto: Robert (DPBM)
  1. Der Don Oro Dollar: In stundenlanger detailreicher Kleinstarbeit am PC designt, konnte am ersten Tag jeder Goldgräber und jede Goldgräberin reich werden. Prompt fing auch schon der Handel mit dem Geld an, es wurde gefeilscht und gewettet. Es entbrannte ein regelrechter Geld-Wahn. Was zunächst niemand wusste: es gibt Falschgeld und am Ende würde das ganze viele Geld wertlos sein. Diese Wendung machte das Geld zwar wertlos, dennoch behielten die Scheine für viele einen Erinnerungswert und wurden zahlreich gesammelt und mit nach Hause genommen.
  2. Zwischen den Spielen, unsere Pausenzeiten: Auf jedem Lager ist es schön, eine Mittagspause zu haben und sich auszuruhen und die Eindrücke vom Tag zu verarbeiten – von wegen! Auf der Sippenaktion wird in der Pause Erdbeben gespielt und zwar mit vielen, sehr vielen Menschen.
    Foto: Matthias Krause (Matze, PB Nordlicht)
  3. Der Banküberfall: Am zweiten Tag, ausgerechnet zur Zeit des Abendessens hörte man auf einmal lautes Gebrüll und Schüsse aus dem Wald! Ein Überfall. Mindestens 40 Banditen stürmten auf den Lagerplatz und überfielen nicht nur die Bank, sondern zerstörten diese und zündeten sie an. Dazu wurden auch noch einige der wichtigsten Charaktere als Geiseln genommen und in den Wald verschleppt. Dass dies zur Zeit des Abendessens geschah, als alle in ihren Essenskreisen saßen, war natürlich geplant. Wir wollten keine verletzten Teilnehmer*innen oder Banditen*innen und so war die Ansage, dass alle im Kreis sitzen bleiben sollen… nun ja, wenn die Bank ausgeraubt wird und der Lagerplatz gestürmt wird, sollte man sich nicht mit 800 Sipplingen anlegen. Und so hatten es unsere Banditen*innen ganz schön schwer heil und mit den Geiseln wieder in den Wald zu gelangen.
  4. Der Jahrmarkt: Wie kann man 1000 Goldgräber und Goldgräberinnen entspannt und lang beschäftigen, sodass diese sich Geld verdienen können und kein Gold graben – das gibt es in Hameln nämlich gar nicht. Man lässt einfach einen Jahrmarkt auf den Lagerpatz kommen, bestehend aus rund 20 Schaustellern*innen die die verschiedensten Dinge anbieten. Dosenwerfen, Zuckerwatte, Witze erzählen, Ringen, Lasso werfen, Modeln. Ein Platz voll bunter Begeisterung: Jede*r war total dabei, die Stimmung war ausgelassen und entspannt und wenn man gerade nicht selbst aktiv sein wollte, konnte man einfach zuschauen. Wem es gefiel auch einfach 2 Stunden beim Ringen.
  5. Das große Finale: Was braucht man mehr als eine kleine Schlucht im Wald? Nur ein paar Schauspieler und gute Stimmung! Alles kam bei unserem großen Finale im Kampf gegen Don Oro zusammen und es bot sich ein atemberaubender Anblick. Alle 1000 Teilnehmende saßen am Rande der Schlucht, mucks Mäuschen still, während Don Oro durch das Gold angelockt in einen Hinterhalt geführt wurde und verhaftet wurde. Das Gegröle war natürlich groß, als der Plan aufging und der Schatz – kleine golden geprägte Münzen – als Lagerandenken unter allen verteilt wurde. Zum Glück unterstütze die Tochter von Don Oro, Dona Oro dieses Vorgehen: „Das Geld ist total unwichtig. Nur die Liebe zählt!“ Sie war diejenige, die half Don Oro zu überführen und für die Gerechtigkeit und das Aufteilen des Goldes einstand.
    Foto: Seb (DPBM)
  6. Der Saloon: Eine Jurtenburg, ein gigantischer Holztresen, eine Schwing-Tür, verstaubte Deko, Strohbänke und ein Feuer. Der schönste und gemütlichste Ort auf dem ganzen Lagerplatz. Oben auf dem Hügel, über den Unterlagern. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit man sich in den Saloon begab, es war immer gute Stimmung und die ein oder andere Leckerei am Tresen zu bekommen. In den Abendstunden, als der Saloon dann so richtig voll wurde, spielte die Band mit Gitarre, Akkordeon, Geige und Kontrabass, es wurde um Geld gefeilscht und so mancher Sirup ging über den Tresen.
  7. Das Essen: Täglich um 8 Uhr, 13 Uhr und 19 Uhr konnte man ein seltsames Phänomen in New Hameln Creek beobachten. Auf einen Schlag war der Lagerplatz leer, im Saloon war es ruhig und es herrschte eine gespenstische Still. Kein Wunder, es war Zeit für die wohlverdiente Mahlzeit. Unsere zehn Unterlagerküchen haben es, dank der Zentralküche, wirklich jeden Tag geschafft auf die Minute pünktlich ein vorzügliches Mahl zu bereiten. Und wir haben uns bei der Planung noch den Kopf zerbrochen, wie wir das Programm improvisieren müssen, wenn die Küchen in Verzug geraten.
  8. 160 Helfende: Die Idee der Sippenaktion war es, dass Sippenführende und Gruppenleitungen gemeinsam mit den Sipplingen ein Wochenende erleben und nicht als Posten, AG-Leitung oder anderswo eingespannt werden. Dies funktioniert natürlich nur, wenn man dafür genug helfende Hände hat, die nichts anderes machen als in verschiedene Rollen zu schlüpfen und die Geschichte mit erzählen. 160 Helfende hatten wir auf der Sippenaktion, die rund um die Uhr alles gegeben haben, damit das Lager zu einem Erlebnis wird. Dabei wurde im Laufe des Lagers deutlich, dass Helfen auf der Sippenaktion nicht „Arbeit“ ist, sondern ein ganz eigenes Erlebnis. Mit vielen, oft fremden Menschen sich auf einmal im Wald verstecken, das Lager überfallen, ins Gefängnis kommen und noch viel mehr, das erlebt man nur, wenn man hilft. Vielen Dank an euch alle!

Ein Wochenende in einer ganz eigenen Welt…

…einmal eintauchen in eine Geschichte, die dich fesselt und mitnimmt. Das war das große Ziel. Dies zu erreichen ist natürlich extrem schwer und man kann nicht immer den Geschmack von allen Teilnehmenden treffen. Aber die Begeisterung, mit der die Goldgräber und Goldgräberinnen an den Spielen teilgenommen haben, mit welcher Leidenschaft die Bank vor den Banditen verteidigt wurde, welche Wut auf Don Oro geschürt wurde und wie groß die Freude war, als dieser verhaftet wurde – das alles hat gezeigt, mit viel Liebe zum Detail, vielen Planungsstunden und einem tollen Team haben wir viele Teilnehmende in eine Geschichte entführt. Der schönste Satz bleibt dabei: „Schau mal, Don Oro hat sich jetzt als Pfadfinder verkleidet.“

Many & 7asper


Über die Sippenaktion wurde übrigens auch von der regionalen Presse berichtet. Unseren Pressespiegel findest du hier.

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